Der (vor)vorletzte Streich

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Während ich dies schreibe, sitze ich barfuß auf der Terrasse, höre im Radio die Bundesligakonferenz und trinke ein Beck’s Lime. Wie herrlich es nach Sommer schmeckt! Wie herrlich es sich nach Sommer anfühlt! Wie herrlich der Grillgeruch vom Nachbargrundstück herüberzieht, wie herrlich die Haut an warmen Tagen nach Sonne riecht! Es erstaunt mich immer wieder, wie sehr das Wetter die Stimmung beeinflussen kann. Sogar die Mittagspausen machen mehr Spaß, wenn man sie auf der Wiese liegend verbringt, mit dem Kopf auf dem Bauch eines Mitmenschen und ihm aus Nabokovs “Lolita” vorlesend, anstatt in der überfüllten Mensa zu sitzen. (Nicht zur Nachahmung geeignet. Die Fremden um einen herum gucken sehr verstört, wenn sie Sätze wie “Die gute Dame konnte nicht ahnen, dass ich eines Morgens [...] sie mit einem von Lolitas Söckchen betrog.” aus dem Kontext gerissen aufschnappen. Nagut, um ehrlich zu sein verstört das Buch auch, wenn man den Kontext kennt. Dann vermutlich sogar noch mehr.) In der Luft eine Mischung aus Erde, frisch gemähtem Rasen und Zigarettenrauch, im Haar ein Gänseblümchen und auf der Nase die übergroße Sonnenbrille. So betonlastig unsere Unigebäude größtenteils auch sind, so schön grün ist im Gegenzug der Campus. Zumindest stellenweise. (Falls ihr euch übrigens wundern solltet, warum ich oben die Bundesligakonferenz erwähne, der Artikel allerdings womöglich zu einer spiellosen Zeit erscheint: “Während ich dies schreibe” und “während ich dies abtippe” meint selten dasselbe. Ich schreibe meine Texte gerne mit Hand vor, und vor allem bei diesem Wetter habe ich keine Lust, vor dem Computer zu sitzen. Noch nicht mal draußen.)

Ganz recht, die Uni hat wieder begonnen, seit vier Wochen bin ich offizieller Sechsti. Obwohl das wahrscheinlich niemand sagt. Laut Studienordnung sollte es sich dabei um mein letztes Semester handeln – wäre mein Studiengang nicht ein einziges riesiges Chaos. Aber darüber habe ich mich hier ja schon zur Genüge echauffiert, auch darüber, dass mein Abschluss noch in weiter Ferne zu liegen scheint und ich keine Ahnung habe, wie lange ich bis zum Bachelor noch brauchen werde. Tatsächlich ist mir von allen Kommilitonen, die mit mir zusammen begonnen haben, nur einer bekannt, der sein Studium nach diesem Semester abschließen wird. Doch die Internetseite, über die wir uns für die Kurse anmelden, war mir diesmal wohlgesonnen und hat mir so viele Seminare und Vorlesungen beschert wie nie zuvor, was mir wirklich Auftrieb gegeben und mir einiges an Frustration genommen hat. Endlich kommt das Ende in Sicht, endlich kann ich so langsam Pläne für das Hinterher schmieden, denn ich denke, nur ein, allerhöchstens zwei Semester ranhängen zu müssen. Damit komme ich klar, das ist quasi der Normalfall und tatsächlich noch weniger als bei vielen anderen, mit denen ich mich in der letzten Zeit darüber unterhalten habe. Das soll übrigens nicht heißen, dass ich keine Lust mehr auf meine Fächer habe, ganz und gar nicht. Schließlich will ich hinterher auch noch meinen Master machen, nur möchte ich einfach diesen Abschnitt meines Studiums so bald wie möglich beenden und in eine andere Unistadt gehen.

Unter meinen Kursen gibt es wie immer einige, die ich mehr oder weniger notgedrungen wählen musste, wie zum Beispiel eine Veranstaltung in Linguistik, die eigentlich für Lehrämter ausgelegt, aber auch für alle anderen Studenten geöffnet ist. Und da das Seminar gut in meinen Stundenplan passt und es noch freie Plätze hatte, schrieb ich mich dafür ein. Hauptsache Kurse, hauptsache fertig werden. Doch bin ich jede Woche aufs Neue genervt davon. Mich interessieren die Inhalte, nicht, wie ich sie didaktisch am besten rüberbringen kann. Mich interessieren die Texte, nicht, wie sie aufgebaut sind. (Sofern das nicht irgendeine linguistische Bedeutung hat. Hat es in dem Seminar aber nicht.) Auf der anderen Seite bin ich allerdings auch verdammt glücklich mit einigen meiner Kurse, vor allem in Geschichte konnte ich Plätze in einigen meiner absoluten Wunschseminare und -vorlesungen ergattern. Viel Neueste Geschichte und Zeitgeschichte, viel Politik. Ihr dürft euch an dieser Stelle ausmalen, wie ich, nachdem ich dazu angemeldet war, vor Freude erstmal einen dreifachen Flickflack hingelegt habe. (Mental, versteht sich.) Vielleicht fange ich außerdem demnächst beim Uniradio an, wenn ich es zeitlich irgendwie schaffe. Mal sehen, was das Semester so mit sich bringt, das – um es wie Wilhelm Busch zu formulieren – hoffentlich mein vorletzter Streich vor dem Bachelor sein wird. Vielleicht auch der vorvorletzte. Wie dem auch sei, das Ende naht und ich bin durch das ganze Hin und Her ein wenig durch den Wind, aber zufrieden.

Erich Kästner: “Sachliche Romanze”

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Als sie einander acht Jahre kannten,                                                                                (Und man kann sagen: sie kannten sich gut)                                                                    Kam ihre Liebe plötzlich abhanden.                                                                                   Wie anderen Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,                                                                  Versuchten Küsse, als ob nichts sei,                                                                                 Und sahen sich an und wussten nicht weiter.                                                                     Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.                                                                   Er sagte, es wäre schon Viertel nach vier                                                                          Und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.                                                                         Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort                                                                                   Und rührten in ihren Tassen.                                                                                               Am Abend saßen sie immer noch dort.                                                                               Sie saßen allein und sie sprachen kein Wort                                                                     Und konnten es einfach nicht fassen.

Il y a tout ce que vous voulez aux Champs-Élysées.

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Vintagejacken und Lachs-Crêpes, Harfenklänge im Sonnenschein und Fluchen auf Französisch – was will man mehr? Genau damit brachte ich nämlich den Anfang meiner letzten Ferienwoche zu, nachdem ich wenige Tage zuvor spontan beschlossen hatte, eine meiner besten Freundinnen zu besuchen, die derzeit in Paris studiert. Spontan war es wirklich, denn ich hatte eigentlich die Hoffnung schon aufgegeben, diesen Frühling nochmal in den Urlaub zu fahren. Zwar war ich zuvor mit einer Freundin eine andere Freundin in Jena besuchen, (Jena ist sehr knuffig, mit niedlichen Kneipen und orangefarbenem Straßenlaternenlicht. Ich liebe orangefarbenes Straßenlaternenlicht, da werde ich immer ein wenig nostalgisch.) aber Semesterferien ohne einen Auslandsaufenthalt sind irgendwie nicht das Wahre. Nach missglückten London- und Amsterdam-Urlaubsplanungen kam mir schließlich ein recht naheliegender Gedanke: Warum nicht Rousseau (Nennen wir sie jetzt einfach mal Rousseau.) in Paris besuchen? Paris gehört nicht zu meinen allerliebsten Lieblingsstädten, aber es ist dort trotzdem wirklich schön, außerdem bin ich allgemein sehr begeisterungsfähig für geschichtsträchtige Großstädte. Zuvor war ich zweimal dort, zuerst mit meinen Eltern und danach mit zwei Freunden im Zuge unseres Eurotrips nach dem Abi. (Worüber ich hier auch berichten werde, wenn ich mich endlich mal dazu aufraffen kann.) Aber es ist nochmal ein völlig anderes Erlebnis, wenn man dort jemanden hat, der die Stadt kennt, jemanden, der im besten Fall dort lebt. Dafür nahm ich auch gerne die acht Stunden Bahnfahrt pro Strecke in Kauf. Ich fahre sowieso ganz gerne mit dem Zug, vor allem, weil man die Zeit eh zu nichts besserem als zum Lesen oder Musikhören nutzen kann und weil ich mir gerne die Orte angucke, die auf der Strecke liegen.

So kam ich am Montag um 17 Uhr am Gare de l’Est an, wo Rousseau schon auf mich wartete. (Okay, das mit dem Namen ist irgendwie doch irritierend. Aber egal, ich bleibe dabei und es hat seine Gründe. Meine liebe, kleine Rousseau.) Wir fuhren zunächst zu ihrem Studentenwohnheim und gegen Abend wieder in die Innenstadt. Es war ein wahrlich erhabener Anblick, Paris mit seinen Brücken und dem Eiffelturm im Hintergrund zu sehen, während man in der untergehenden Sonne an der Seine spazieren geht. Wir kehrten in einen Crêpes-Laden ein, der eine maritime Pub-Atmosphäre versprühte und den ich euch jetzt ans Herz legen würde, wüsste ich seinen Namen noch. Meinen Crêpe ließ ich mit Lachs, Spinat und Frischkäse belegen und es war ungefähr der beste Crêpe meines Lebens. Trotzdem holten wir uns hinterher noch Gebäck aus einem dieser typischen, bunten Konditoreien und schlenderten dann noch ein bisschen durch das nächtliche Kneipenviertel. Da wir am nächsten Morgen zeitig aufstehen wollten, fuhren wir früh wieder in das Wohnheim zurück und sahen uns “Across the Universe” an, diesen extrem tollen Musicalfilm mit den Beatles-Songs. Unsere Tage in Paris waren sowieso wunderbarerweise sehr musiklastig: Wir hörten The Smiths zum Frühstück, Kate Nash zum Kochen, hüpften chansonträllernd durch die Métrostationen, wollten Bob Dylan unsere restlichen Nudeln verticken und Paul McCartney des Nachts französische SMS schreiben. (Dass die beiden letztgenannten Vorhaben auf Insidern beruhen und misslangen, muss ich wohl nicht erwähnen.) Das mit dem zeitigen Aufstehen gelang uns sogar einigermaßen, wir picknickten auf dem Boden in Rousseaus Zimmer und aßen Baguette, wie sich das für Frankreich gehört. Anschließend fuhren wir zum Montmartre, meiner touristischen Meinung nach eine der schönsten Gegenden in Paris. Für mich war es der wahrscheinlich wärmste und sonnigste Tag des bisherigen Jahres, so konnten wir sogar ohne Jacken auf den Stufen vor Sacré-Coeur sitzen, den Mann mit der Harfe “La vie en rose” spielen hören und von dort oben aus fast die ganze Stadt überblicken.

Auf dem Montmartre fanden wir auch einen niedlichen Vintage Store, in dem eine Menge superhässlicher Pullover hingen, die ich aber irgendwie supercool fand. Ich suchte sämtliche Regale nach einer Jacke im Stil dieser Pullis ab, und als ich nicht fündig wurde sagte Rousseau zu mir: “Weißt du was? Du kaufst jetzt einfach so einen Pullover, dann schneiden wir ihn nachher auf, nähen ihn um und voilà, da hast du deine Jacke!” So kam es, dass wir am Abend im Aufenthaltsraum des Wohnheims saßen und jeder von uns an einer Seite der Jacke nähte, was ein spanischer Freund Rousseaus mit den Worten “Welcome to exciting life in Paris!” kommentierte. Überhaupt war ich sehr begeistert von der Internationalität in dem Wohnheim und habe an den wenigen Tagen, die ich dort verbrachte, neben dem Spanier noch eine Italienerin, einen Guineer, zwei Ägypterinnen und einen Belgier aus Rousseaus Freundeskreis kennengelernt. Es muss großartig sein, mit Menschen aus der ganzen Welt unter einem Dach zu leben – und in einer Stadt zu studieren, die man liebt und in die man einfach hineinpasst. Ich hoffe, dass das bei mir im Masterstudium auch der Fall sein wird. Faut voir. Aber unser Dienstag war nach dem Pseudojacken-Kauf noch lange nicht vorbei. Wir besuchten außerdem ein jüdisches Museum und sahen uns in der dazugehörigen Bibliothek um, was beides interessant war. Noch mehr hat mir allerdings das Musée Carnevalet gefallen, in dem wir eher durch Zufall am Mittwoch landeten. Letzteres behandelt die Geschichte der Stadt, es sind Modelle des mittelalterlichen Paris ausgestellt, und vor allem die Französische Revolution spielt eine Rolle. Ein bisschen ungeordnet, aber spannend. Nach unserem Besuch im jüdischen Museum sahen wir uns am Dienstagnachmittag die Große Pariser Moschee an, setzten uns hinterher in das Café, das zur Moschee gehört, tranken Tee und rauchten eine Shisha, bevor wir abends wieder ins Wohnheim fuhren.

Eigentlich hatten wir vor, auf eine Studentenparty an der Champs-Élysées zu gehen, entschieden uns dann aber doch dagegen, weil wir ziemlich fertig vom Tag waren. Deshalb kochten wir stattdessen in der Gemeinschaftsküche Nudeln (Und zwar die, die wir Bob Dylan andrehen wollten.) und unterhielten uns dort teilweise auf drei Sprachen gleichzeitig, was ich ganz wunderbar fand. Ich war überrascht, wie viel ich tatsächlich noch verstehen konnte, wenn die anderen sich auf Französisch unterhielten, obwohl ich vorher der festen Überzeugung war, kein einziges Wort mehr heraushören zu können. Aber man kommt doch recht schnell wieder rein, sodass ich irgendwann tatsächlich vollständige Sätze auf der Sprache formulieren konnte, von der ich normalerweise behaupte, sie sogar noch schlechter zu beherrschen als alle Sprachen, die ich nie gelernt habe. Selbst wenn es nur banales Zeug wie “Tu peux fumer, si tu veux, mais je ne veux pas fumer maintenant!” war. Manchmal mischte ich sogar Englisch und Französisch innerhalb eines Satzes, und das war in Ordnung so. Wir konnten uns alle irgendwie verstehen. Außerdem kann ich jetzt Leute auf Französisch beschimpfen. Nur für den Fall. Im Gegenzug brachte ich Rousseaus guineanischem Freund eine Menge böser Ausdrücke auf Deutsch bei, sodass “Geh kacken!” seit dem Abend zu unserem Running Gag geworden ist und wir uns am nächsten Tag sogar freudig mit ebendiesen Worten begrüßten. (Ein deutscher Freund der beiden meinte danach zu ihm, er solle sich lieber “Geh kochen!” merken. Und ich musste sehr laut lachen, als ich das hörte. Ist das deutscher Humor? Man kann es selbst so schwer einschätzen, aber wenn ja, dann lerne ich deutschen Humor zu schätzen.) Man wies mich auch darauf hin, dass dieses grauenvolle “ääähm”, welches man in Denkpausen gerne mal von sich gibt, typisch deutsch sei, was mir vorher gar nicht bewusst war.

Am Mittwoch hatten wir vor, ein Seminar von Rousseau zu besuchen, aber nachdem wir in der Mensa gespeist hatten, stellten wir fest, dass sie an dem Tag gar keine Uni hatte. Also fuhren wir stattdessen zur Champs-Élysées, aßen ein paar Macarons, die eine französische Spezialität und sehr lecker sind, schlenderten über die Tulerien, versackten erst in einem Starbucks, dann in einem ranzigen Crêpes-Laden und schließlich in einer nicht minder ranzigen Kneipe, da Rousseau meinte, ich müsse unbedingt Kirschbier probieren. Gab es dort nicht. War trotzdem gut. Wie meine ganze Zeit in Paris. Wie auch das nächtliche Kartenspielen mit ihren Mitbewohnern, unsere engelsgleichen Gesangseinlagen und der selbstgemachte Chai Tea Latte. (Ein Teebeutel Earl Grey in heißer Milch. Close enough.) Da ich leider nur bis Donnerstagmittag in Paris blieb, brachten wir den Vormittag größtenteils damit zu, noch weitere Vintage Stores zu suchen, diesmal in der Nähe des Rathauses. Rousseau wollte sich an einem dieser kleinen Zeitungsstände am Straßenrand durchfragen und ließ sich von einem Mann, der dort ebenfalls stand und sich mit dem Verkäufer unterhielt, den Weg erklären. Grinsend kehrte sie zu mir zurück und sagte: “Weißt du, wer das gerade war? Der Bürgermeister!” Kein Ding, warum sich nicht eine Wegbeschreibung zum nächsten Vintage Store vom Bürgermeister von Paris holen? Der muss es ja wissen. Um 13 Uhr fuhr mein Zug zurück nach Hause, denn morgen geht bei mir die Uni wieder los und deswegen musste ich noch einiges vorbereiten. Was ich von meiner Reise mitgenommen habe? Neue Erkenntnisse, eine fette Erkältung, Macarons und einen Haufen toller Erinnerungen. Je ne regrette rien.

Und da meine Tage in Frankreich ja, wie schon erwähnt, sehr musiklastig waren, hier unser inoffizieller und verkürzter Paris-Soundtrack:

  • Iggy Pop – “The passenger”
  • Sammy Davis Jr. – “The rhythm of life”
  • Édith Piaf – “La vie en rose”
  • The Beatles – “I’ve just seen a face”
  • Tracy Chapman – “Talkin’ ’bout a revolution”
  • John Lennon – “Imagine”
  • Daim’s – “Jeune demoiselle”
  • New Order – “True faith”
  • The Smiths – “Please please please let me get what I want”
  • Kate Nash – “Sister”

Hölle, auf die eine oder andere Weise

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Vorbei ist das erste Viertel des Jahres und es hätte fulminanter nicht enden können. Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, liebe ich das Osterfeuer, das hier traditionell am Abend vor Ostersonntag entzündet wird und von dem jedes Kaff sein eigenes hat. Dort futtert man Bratwurst und gönnt sich ein paar Bier, trifft Leute wieder, mit denen man früher zur Grundschule gegangen ist und die seit Ewigkeiten in der Feuerwehr vertreten sind und versucht, die umliegenden Feuer, die man in der Ferne sieht, den entsprechenden Dörfern zuzuordnen. So auch gestern. Zwei Freunde und ich fuhren zunächst mit dem Fahrrad zum Osterfeuer unseres Ortsteils und radelten anschließend zwei Käffer weiter, wo wir uns mit einigen anderen Freunden trafen. Und obwohl es sich dabei um die “Disco” unter den Osterfeuern handelt, – inklusive Taschenkontrolle am Eingang, Partyzelt und kotzenden 16-Jährigen – mag ich es bei uns lieber, weil es dort einfach viel uriger und persönlicher ist. Auch die anderen fanden es nicht so wahnsinnig toll, sodass wir bald beschlossen, den Rest des Abends in der Stammkneipe zu verbringen. Zu neunt fuhren wir in die Stadt und verbrachten dort (zumindest aus meiner Sicht) eine der besten Nächte des ersten Quartals 2013. Eine Nacht mit Baileys-Kakao, infantilen Begriffe-Battles und so viel Hintergrundmusik von Oasis, dass ich etwa die Hälfte der Zeit verträumt und feuerzeugschwenkend im Sofa versank und in diesem Moment nichts anderes tat als einfach nur das Leben zu lieben.

Doch meine Osterfeuereuphorie sei nur am Rande erwähnt, Thema dieses Artikels ist ein anderes. Anfang des Jahres habe ich begonnen, die Bücher, die ich gelesen habe, direkt nach dem Beenden hier aufzulisten. Einige davon kann ich euch sehr ans Herz legen, (Wenn ihr keinen schwachen Magen habt, empfehle ich “American Psycho” von Bret Easton Ellis. Es ist so großartig. Die ebenfalls aufgelistete Literatur von Peter Hoffmann gilt meines Wissens nach als beste Biographie über Claus von Stauffenberg, und auch wenn ich nicht allzu viele Vergleiche vorweisen kann, bin ich überzeugt davon, dass sie es tatsächlich ist.) und zu zweien wollte ich euch gerne meine bescheidene Meinung unterbreiten. Eines davon ist “Ein plötzlicher Todesfall”, der 2012 erschienene Roman J. K. Rowlings, den gewiss viele ihrer Fans sowohl ersehnt als auch gefürchtet haben und bei dessen Lesen ich mir vorgenommen hatte, auszublenden, um welche Autorin es sich handelt. Das gelang mir auch recht gut, und ich kann schon einmal vorwegnehmen, dass mir das Buch gefallen und mich berührt hat. “Ein plötzlicher Todesfall” macht seinem (deutschen) Titel schon auf den ersten Seiten alle Ehre, denn der Roman beginnt damit, dass Barry Fairbrother, Mitglied des Gemeinderats, stirbt. Im Folgenden dreht es sich vor allem um die Frage, wer von nun an seinen Platz im Gemeinderat besetzen soll – wovon auch zu einem großen Teil abhängt, ob die Sozialbausiedlung Fields weiterhin zu der fiktiven Kleinstadt Pagford gehören wird oder nicht.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass auf den fast 600 Seiten von der Handlung her gar nicht so wahnsinnig viel passiert. Auch konnte ich keinen ganz klaren roten Faden erkennen und hatte absolut keine Vorstellung davon, worauf die Geschichte hinauslaufen, wie sie enden würde – aber all das war gar nicht schlimm. In ihrem gesellschaftskritischen Roman stellt J. K. Rowling viele verschiedene Charaktere vor, junge, alte, wohlhabende, arme, konservative, liberale. Sie alle leben in Pagford und stehen auf irgendeine Weise in Verbindung zueinander, für sie alle verändert sich etwas durch den Tod Barry Fairbrothers. Mit der Zeit lernt man sie immer besser kennen, merkt, dass nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint und spürt die Unzufriedenheit einiger Protagonisten mit ihrem Leben in dem englischen Städtchen. Ehepaare, die nur noch nebeneinander herleben, die Sorgen, die die Pubertät so mit sich bringt, unterschwelliger Rassismus, all das ist ein Thema in “Ein plötzlicher Todesfall”. Das ein oder andere Mal erschien mir die Entwicklung vieler Figuren zunächst sehr klischeehaft, aber ich glaube, genau das wollte J. K. Rowling bewirken. Es so realitätsnah wie möglich zu gestalten (Ich musste ein bisschen lachen, als mir der Gedanke kam, dass die Leute da gewiss alle “Harry Potter” gelesen haben.) und die Probleme der Gesellschaft aufzuzeigen. Von allen Charakteren waren mir die Jugendlichen am liebsten, auch wenn einige von ihnen sich mitunter beschissen verhalten oder versuchen, sich ein bestimmtes Image aufzubauen. Alles in allem waren sie immer noch am ehrlichsten, am echtesten – im Gegensatz zu den Erwachsenen. Beim Lesen kam mir folgender Satz Sartres in den Sinn, der meiner Meinung nach auf das Leben der Menschen in dem Roman zutrifft:

Die Hölle, das sind die anderen.

- Jean-Paul Sartre in “Geschlossene Gesellschaft”

In dem zweiten Buch, über das ich hier schreiben will, durchleben die Figuren ebenfalls eine Art der Hölle, auch wenn sie dabei noch greifbarer ist, sich nicht nur auf das beschränkt, was in den Köpfen der Menschen vor sich geht, sondern zudem physisch wird. Die Rede ist von “Saeculum”, geschrieben von Ursula Poznanski. In Rezensionen hörte ich, es sei so gruselig, dass man danach nächtelang nicht ruhig schlafen könne. Da das bei mir seit der Grundschule keine Lektüre mehr geschafft hat, ich mich aber hin und wieder ganz gerne mal grusele und des Weiteren das “Blair Witch Project”-Schema mag, das darin ein wenig aufgegriffen wird, wagte ich mich vor Kurzem an das Buch. Schlaflose Nächte hat es mir zwar nicht bereitet, – lediglich auf Seite 280 fand ich es kurzzeitig ein wenig spooky, aber paranoider als ohnehin schon wurde ich trotzdem nicht dadurch – doch spannend war es allemal. Eine Gruppe junger Erwachsener reist für ein paar Tage in einen Wald, um dort in ein mittelalterliches Rollenspiel zu tauchen. Dummerweise soll die besagte Gegend angeblich verflucht sein, was sich zu bestätigen scheint, nachdem merkwürdige Dinge im Camp passieren und schließlich sogar Personen verschwinden. Was mir besonders gefallen hat, war, dass ich dem Protagonisten mit seinen Vermutungen, wie alles zustande kommen könnte, nie lange voraus war. Sobald mir etwas Verdächtiges auffiel, kam er kurz danach auch auf die Idee. Mich nervt es vor allem in Krimis immer tierisch, wenn ich mehr als die Figuren weiß und die ganze Zeit denke: “Warum zum Henker merkst du das nicht?” Wer weiß, vielleicht stand ich die ganze Handlung über auch nur einfach komplett auf dem Schlauch und habe deswegen erst recht spät erkannt, wie es ausgehen wird. Das Ende an sich hat mir allerdings nicht sehr gefallen, vor allem das, was nach der Auflösung noch folgte. Doch alles in allem ist “Saeculum” ein fesselndes Buch, das man gut mal nebenbei lesen kann, wenn man keine große Lust hat, sein Gehirn übermäßig zu strapazieren. (Ich nenne sowas auch gerne “Nachabilektüre”. In der Nachabizeit ging es mir nämlich besonders so.)

Fuffzich Fakten

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Hiermit springe ich mal wieder auf den Zug der Youtuber-Trends auf und nenne euch 50 zusammenhanglose Fakten aus meinem Leben. Mehr gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen. Wer sich das tatsächlich alles von vorne bis hinten durchliest, bekommt einen imaginären Keks von mir. Aber seid gewarnt, wenn ich die backe, schmecken sie meistens nicht sonderlich lecker.

  1. Remus Lupin ist mein absoluter Lieblingscharakter aus den “Harry Potter”-Romanen und zusammen mit Nymphadora Tonks bildet er das meiner Meinung nach schönste fiktive Paar, das je geschaffen wurde.
  2. Ich schaffe es ums Verrecken nicht, Blickkontakt zu halten, nicht mal, wenn ich versuchen wollte, jemanden zu betören. Ich hasse es, angestarrt zu werden.
  3. Der Zeitungsartikel, den ich am ersten Tag meines Praktikums schrieb, handelte von einem Ferienprojekt mit rollschuhfahrenden Kindern und war 40 Zeilen lang.
  4. Ich gebe alles und jedem Namen. Meine Fahrräder heißen Gladdys und Schroudy, meine Topfpflanzen Gabi, Kai und Palmi, mein iPod Agnes, mein linker Ringfinger Günni, mein Handy Norbert, mein Fußball Zlatan und mein Volleyball Karlchen.
  5. Rhabarber hat Kultstatus in meinem Freundeskreis. Ich liebe alles, was nach Rhabarber schmeckt, sei es Tee, Marmelade, Schnaps, Kuchen oder Schokolade.
  6. Seit ich denken kann, habe ich einen chronischen Tinnitus. Gäbe es eine Möglichkeit, ihn entfernen zu lassen, würde ich sie nicht ergreifen. Ich glaube, das wäre mir zu leise.
  7. Red Bull Racing ist mein liebstes Formel-1-Team und Teamchef Christian Horner hat einen nicht unerheblichen Anteil daran.
  8. In den Sommerferien zwischen der zweiten und dritten Klasse schrieb ich ein etwa 100-seitiges Notizbuch mit einer Geschichte voll, durch die außer mir gewiss niemand durchsteigen würde, die ich aber immer wieder gerne lese.
  9. So sehr ich deutsche Sketchshows für gewöhnlich hasse, so sehr liebe ich die “Bullyparade”. Vor allem die Partnerbörse. Und “Yeti am Mittag”.
  10. Meinen Führerschein bestand ich nach der dritten praktischen Prüfung und auch da händigte mir der Prüfer ihn nur mit den gegrummelten Worten “Naja, jeden Tag eine gute Tat…” aus.
  11. Ich liebe die Oscar-Verleihung und schlage mir jedes Jahr die ganze Nacht um die Ohren, um sie von vorne bis hinten sehen zu können.
  12. Mein Papa hat Mathematik und meine Mama Agrarökologie studiert. Die beiden dürfen jetzt mal ausrechnen, warum sich ihre Naturwissenschaftler-Gene nicht auf mich übertragen haben.
  13. Wenn ich nachts im Bett liege, grübele ich niemals über mein Leben nach, sondern denke mir irgendwelche realitätsfernen Geschichten aus. Manchmal bringe ich diese dann am nächsten Tag zu Papier.
  14. Eine Zeit lang wollte ich Bestatterin werden und habe mich sogar für ein Praktikum bei einem Beerdigungsinstitut beworben, aber die wollten mich nicht. (Weswegen ich mich gewiss nicht bei denen bestatten lassen werde. Ich glaub, es hackt!)
  15. Bisher habe ich 19 Länder der Welt gesehen, bin dabei allerdings erst einmal über die Grenzen Europas hinausgekommen.
  16. Zeit für ein weiteres guilty pleasure: Ich liebe den Film “Titanic” abgöttisch und habe früher mit meiner Grundschulfreundin eine ganze Menge Szenen auswendig gelernt. Ich war Jack.
  17. Auf meinem rechten Zeigefinger trage ich stets den Ring, den ich von meiner Oma geerbt habe.
  18. Ich kann auf Kommando heulen. Mache ich aber nur in Ausnahmefällen, denn meistens ist es die anschließenden Kopfschmerzen nicht wert.
  19. Wenn ich groß bin, hätte ich gerne einen himmelblauen Trabi. Da mir davon aber regelmäßig abgeraten wird (“Das ist mehr Bastelarbeit als Fahrerei!”), würde ich mich auch mit einem schwarzen Mercedes S55 AMG zufrieden geben. Ähm. Ja.
  20. Meine Aversion gegen Kunst reicht so weit, dass ich einen Freund durch das gesamte Londoner Tate Museum geschleppt habe, nur um ihm anhand jedes einzelnen Gemäldes zu erklären, warum ich eine Aversion gegen Kunst hege.
  21. Ich liebe den Anblick von Sanddornsträuchern und wie sie die Umgebung unweigerlich in die Farben eines 60er-Jahre-Films tauchen.
  22. Mich überfiel irgendwann die irrwitzige Idee, je mehr Radieschen ich essen würde, desto erfolgreicher spiele die deutsche Fußballnationalmannschaft. Seitdem ist mein Radieschenkonsum rasant gestiegen.
  23. Auf meinem ersten Ärzte-Konzert war ich 2007 in Bremen. Es folgten für mich noch ihre Auftritte 2008 in Uelzen und 2012 in Oldenburg, außerdem sah ich Bela, Farin und Rod 2009 sowie 2012 live auf dem Hurricane.
  24. In unserer Mottowoche vor den Abiklausuren hatten wir unter anderem das Thema “Kindheitshelden”, zu dem ich mich als Madita von Astrid Lindgren verkleidete.
  25. Diese Kopfmassage-Spinnen kann man sehr gut als Folterinstrument gegen mich verwenden. Ich hasse das Gefühl, das sie verursachen und kriege schon eine Gänsehaut, wenn ich es nur bei anderen sehe.
  26. “Deutschland. Ein Sommermärchen” war der einzige Film, bei dem ich im Kino wirklich bitterlich weinen musste. Reden wir nicht weiter darüber.
  27. Meine Dioptrienzahl beträgt – 8,5, aber das stört mich nicht sehr. Morgens nach dem Aufstehen bin ich manchmal ganz froh, die Welt noch nicht scharf sehen zu müssen.
  28. In den Schauspieler Joshy Peters bin ich verliebt, seit ich ihm als Zwölfjährige bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg ein Bündel Möhrchen in die Hand gedrückt habe. Er hat übrigens die schönste Stimme der Welt, just saying.
  29. Bevor ich ein Jahr alt war, lautete mein Nachname Schulze. Dann heirateten meine Eltern.
  30. Pilot ist mein absoluter, aber unerreichbarer Traumberuf und es gibt für mich kaum einen schöneren Anblick als beleuchtete (und verschneite) Flughäfen bei Nacht.
  31. Obwohl ich mich in London stets sehr darum bemühe, nicht als Ausländerin aufzufallen, gibt es eine Sache, bei der ich meine deutsche Herkunft nicht verleugnen kann: Ich bringe es einfach nicht über mich, über rote Ampeln zu gehen!
  32. Ich habe mit 14 Jahren meine Jugendweihe gemacht und halte sie im Nachhinein für eine völlig unnötige Veranstaltung.
  33. Auf einer England-Sprachreise führten wir ein eigenes Stück für unsere Gastfamilien auf. Es hieß “The forest of love” und ich spielte den Jäger, der im Auftrag der Hexen die Prinzessin töten soll, aber stattdessen mit Rumpelstilzchen durchbrennt.
  34. Mein Gemüt gleicht dem einer Zweitklässlerin. Unterstelle mir, dass ich mich etwas nicht trauen oder dass ich etwas nicht schaffen würde und ich tue es.
  35. Aus Gründen, die mir selbst nicht ganz klar sind, habe ich den “Tatort” aus Stuttgart zu meinem Lieblings-”Tatort” erklärt.
  36. Eigentlich sind meine Haare Straßenköterdunkelblond. Das wissen allerdings die wenigsten, weil ich seit Jahren alle zwei Monate zum Friseur eile, um sie mir dunkelbraun tönen zu lassen.
  37. Auf meiner Kommode stehen zwei Getränkekarten aus der Stammkneipe, die ich vor einiger Zeit vor dem sicheren Feuertod gerettet habe, nachdem ein Freund es für sinnvoll hielt, Schnaps in die Kerze zu kippen und besagte Karten hineinzuhalten.
  38. Ich habe eine Cousine und zwei Cousins, die alle zehn bis 17 Jahre älter sind als ich. Kontakt habe ich nur noch zu einem von ihnen.
  39. Seit ich denken kann, verfolgt mich eine Angst, die einen viel zu großen Platz in meinem Leben einnimmt. Mal verdränge ich sie über Monate fast vollständig, mal raubt sie mir tagelang den Schlaf und übertönt alle anderen Gedanken.
  40. Weil “Donkey Kong Country” mein liebstes Gameboyspiel ist, wähle ich bei “Mario Kart” immer den dicken Affen als Fahrer, obwohl er eigentlich nicht viel kann.
  41. Beim Lieblingspizzabrötchenmann bestelle ich entweder Pizzabrötchen Käse-Ananas mit Joghurtsoße oder Pizzabrötchen Feta-Spinat mit Currydip.
  42. Mein Opa hat mir früher eingetrichtert, ich solle beim Gehen immer auf den Boden gucken, um nirgends rüberzustolpern. Das konnte ich mir bis heute nicht abgewöhnen und kollidiere deshalb hin und wieder mit tiefhängenden Ästen.
  43. Ina Müller finde ich super und ihre Sendung “Inas Nacht” erst recht. Wenn ihr Shanty-Chor zu singen beginnt, singe ich mit.
  44. Als wir im Biologieunterricht Kuhaugen sezieren sollten, quetschte ich einige davon aus, drehte die Innenseite nach außen und stülpte sie mir auf die Fingerspitzen. Meine Lehrerin prophezeite mir eine Zukunft als Pathologin.
  45. Wenn ich nachdenke oder etwas aus meinem Gedächtnis hervorkrame, gucke ich unweigerlich nach links oben.
  46. Sollte ich irgendwann mal einen Film drehen, würde ich auf jeden Fall eine Sexszene einbauen, die ich musikalisch mit “Bad Case of Loving You” von Robert Palmer untermale. Falls es eine solche schon gibt, weist mich bitte darauf hin.
  47. Eine Zeit lang war ich die einzige, die mein Lieblingspony ins Gelände reiten durfte, weil regelmäßig durchgegangen ist. Mir zunächst zwar auch, aber im Gegensatz zu den anderen habe ich mich davon nicht unterkriegen lassen. Er war es wert.
  48. Nach meinem Uropa sollte mal ein Ferienlager benannt werden. Ob das wirklich passiert ist, weiß ich nicht. Ich weiß nicht mal, wie er hieß.
  49. Den Tanzkurs damals fand ich kacke, zumal mein Partner ein Lappen war und mich auf dem Abtanzball stehen ließ. Doch ich mochte den Jive und den Wiener Walzer.
  50. Ich kann überhaupt nicht damit umgehen, wenn jemand mit mir über Gefühle sprechen will. Dann gehe ich dem Thema so lange aus dem Weg, bis es eskaliert und am Ende alle unglücklich sind. Und das tut mir wahnsinnig leid.

Kakao auf der Tribüne

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Was an Autogrammen so toll sein soll, habe ich noch nie verstanden. Niemals würde ich einen Prominenten auf der Straße ansprechen und ihn um eine Unterschrift bitten oder mich nach Konzerten oder Sportevents mit anderen Fans an die Absperrung quetschen, um den Protagonisten kreischend mein T-Shirt und einen Edding entgegenzustrecken. Das wäre mir schlichtweg zu blöd. Auf die einzige Signatur, die ich besitze, bin ich dann allerdings doch recht stolz und würde sie vermutlich einrahmen, wäre sie nicht in ein Buch geschrieben. Dessen Titel: “Halla, meine Pferde und ich”. Der Autor und Autogrammgeber: Hans Günter Winkler, einer der erfolgreichsten Reiter aller Zeiten, dessen wohl größter Erfolg sein Olympiasieg von 1956 war. In der ersten Runde des Springens riss ihm ein Muskel, sodass er sich im zweiten Umlauf nur noch mit Mühe und unter Schmerzen im Sattel halten konnte und seine Stute Halla den Parcours nahezu ohne Unterstützung seinerseits bewältigen musste. Wenn ich ein Video dieses Rittes sehe, bekomme ich jedes Mal aufs Neue eine Gänsehaut. Wenn ich einen Blick in Winklers Biographie werfe, bin ich jedes Mal aufs Neue davon fasziniert, mit wie viel Respekt er von seinen Mitstreitern, Konkurrenten und Pferden spricht. Genau diese Biographie ist es, die das einzige Autogramm enthält, das ich mir jemals habe geben lassen. Mit Widmung. Und es ist mir heilig.

Wie ihr nach meinen herzzereißenden Liebesergüssen an den Fußball und an die Olympischen Spiele gewiss schon gemerkt habt, bin ich außerordentlich sportbegeistert. Meine älteste Leidenschaft ist der Reitsport, der mich begleitet, seit ich denken kann. Bereits lange bevor ich selbst das erste Mal im Sattel saß, nahm meine Familie mich zu Turnieren oder auf Pferderennen mit, schon als kleines Kind liebte ich es, im Stall umherzulaufen und die großen Vierbeiner zu streicheln. Zu reiten begann ich im Alter von neun Jahren, wozu ich derzeit leider bedingt durch die Uni nur noch sporadisch komme. In den Ferien sitze ich meistens zweimal die Woche abends im Sattel, während des Semesters nur ganz selten am Sonntagmorgen. Früher lungerte ich auch ab und an den ganzen Tag von früh bis spät im Stall herum, longierte hier mal ein Pferd, ritt dort mal kurz in den Stadtwald, mistete eine Box aus oder saß zwischendurch einfach nur mit einem Kakao auf der Tribüne, las eine Zeitschrift und sah den anderen beim Reiten zu. Mein größter Einfluss – neben meiner recht pferdesportgeprägten Heimat – waren meine Verwandten. Obwohl außer meinem Opa und mir niemand von ihnen jemals wirklich geritten ist, interessieren sie sich doch alle für die Springreiterei, gucken sich hin und wieder Turniere im Fernsehen an und fachsimpeln darüber. Mit diesen beiden Absätzen hätte sich dann sicher auch schon herauskristallisiert, für welche Disziplin ich mich im Reitsport am meisten begeistern kann.

Als ich klein war, zählte ich zu diesen typischen Ponymädchen, mit jahrelangem Wendy-Abo, (Um ehrlich zu sein lese ich die Comics heute immer noch gerne, wenn sie im  Casino herumliegen und ich gerade nichts besseres zu tun habe.) mit Pferdemotiven auf der Federtasche und den temporären Traumberufen Pferdepfleger, Parcoursbauer und Springreitolympiasieger. Ich liebe es zu reiten, ich liebe die Zusammenarbeit mit dem Pferd, das Gefühl, sich langsam zu steigern und immer mehr mit ihm zu harmonieren. Jedes Pferd ist anders, jeder Ritt ist anders. Und früher war ich das glücklichste Ponymädchen der Welt, wenn wir in der Reitstunde über das Cavaletti springen durften. Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert, außer, dass Cavalettis nun nicht mehr das Maß aller Dinge sind. Ich nahm an vielen Springstunden und -lehrgängen teil und startete auf kleineren Turnieren in der Umgebung. Für mich war es das höchste der Gefühle, einen Parcours von vorne bis hinten zu absolvieren, auf dem hohen Ross über die Sprünge zu schweben. Es fühlt sich so großartig an, im Training endlich über das Hindernis zu kommen, vor dem das Pferd sonst verweigert hatte. Die richtige Distanz zum Absprung zu finden. Wenn einfach alles passt. Ebenso glücklich war ich, wenn die Figuren unserer Quadrillen für das Weihnachtsreiten nach wochenlangem Proben schließlich klappten und perfekt mit der Hintergrundmusik zusammenpassten. Oder wenn mir beim Jagdtraining über den Geländesprüngen der Marschwind um die Nase wehte. Ein paar Mal habe ich mit dem Gedanken gespielt, mir ein Pferd zu kaufen, – mir wurde auch eines angeboten – aber mangels Zeit entschied ich mich immer dagegen.

Das erste Märzwochenende verbrachte ich in der Bremer Stadthalle auf den Euroclassics, einem großen, internationalen Turnier. Ein wenig kleiner, aber noch viel schöner ist das Turnier, das jährlich in unserem Städtchen ausgetragen wird und bei dem ich von Freitagmittag bis Sonntagabend nur zum Schlafen und Duschen zu Hause auftauche. Die restliche Zeit laufe ich durch die Halle oder an den Ständen entlang, treffe Leute wieder, die ich aus dem eigenen Stall oder von anderen Turnieren kenne, futtere Baguettes oder sitze auf den Rängen und kritzele Starterlisten mit Ergebnissen voll. Ich liebe die Atmosphäre dort, und die Mentalität des Publikums, das wirklich jeden anfeuert und feiert, egal, wie bekannt oder wie alt der Reiter ist, welches Geschlecht er hat oder aus welchem Land er kommt. Ich erinnere mich an Abende, an denen die Zuschauer während der Distanz zum letzten Hindernis von ihren Sitzen aufsprangen und das Paar im Parcours fast über die Ziellinie brüllten. Springreiten ist Nervenkitzel, Springreiten ist pure Action, sogar, wenn man es nur von der Tribüne aus erlebt. Auf Turnieren mag ich sogar diese furchtbare Gute-Laune-Party-Musik, die dort die meiste Zeit im Hintergrund läuft. Im Sommer findet in unserem Stadion ebenfalls ein Turnier statt, auf dessen Gala mich sogar einige meiner eher weniger pferdebegeisterten Freunde gerne begleiten und wo sich alles einfindet, was hier Rang und Namen hat. Einer der besten Abende im Jahr.

Das war sie, die Geschichte meiner längsten Liebe. (Oder, um es in anderen Worten zu sagen: Das war er, der Grund für meine O-Beine.)

Für ein bisschen Trash im Leben

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Neulich führte ich eine hitzige Diskussion mit meinem Onkel darüber, warum ich einige Dinge gut finde, obwohl ich sie schlecht finde. Das klingt zugegebenermaßen ein wenig wirr, aber dann versuchte ich es ihm anhand der Definition von guilty pleasures plausibel zu machen. “A guilty pleasure is something one enjoys and considers pleasurabel despite feeling guilt for enjoying it”, heißt es da nämlich kurz und knackig auf Wikipedia. Als mein Onkel es immer noch nicht nachvollziehen konnte, rief ich irgendwann: “Man, jeder hat ein Recht auf ein bisschen Trash im Leben, okay?” Jawoll. Und da dachte ich, es wäre an der Zeit, auch hier mal einige meiner schlimmsten guilty pleasures zu beichten. Zehn, um genau zu sein, obwohl es noch etliche andere gibt. Auf die Gefahr hin, hinterher keine Leser mehr zu haben, aus Gründen der Fremdscham. Weil ihnen hier eventuell der Eindruck vermittelt werden könnte, ich wäre gerne eine infantile, sächselnde Prinzessin, die am liebsten auf Holzdielen zu schlechter Musik tanzt und einen blutsaugenden Arzt liebt. Aber das ist natürlich vollkommener Blödsinn. Hier ein Räuspern einfügen, um die peinliche Stille zu überbrücken.

1. Die Royals: Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr mir Klatsch und Tratsch über Promis, mit Verlaub, am Arsch vorbeigeht. Nämlich gar sehr. Mit einer Ausnahme: das englische Königshaus. Ernsthaft, ich liebe es. Ich lese jeden Artikel, der mir über die Queen und ihre Familie in die Finger kommt und ziehe mir jede kitschige ZDF-Doku über sie rein, durchaus auch mehrmals. Die Briten stehen auf ihre Royals und ich stehe auf die Briten, vielleicht rührt meine Zuneigung daher, denn Königsfamilien aus anderen Ländern interessieren mich nicht die Bohne. Ihren Ursprung hat meine Begeisterung vor fast zehn Jahren, als ich das erste Mal in London war und mich bei der Gelegenheit direkt mal in Prinz William verliebte. Was sich mittlerweile selbstverständlich wieder gelegt hat. (Denn ich habe ihm das mit der Hochzeit noch nicht verziehen. Ähm.) Ich finde die ganze Familie einfach wahnsinnig witzig und auf alle “Mit welchem Promi würdest du gerne mal einen trinken gehen?”-Fragen antworte ich regelmäßig: “Mit den Royals. Betrunkener müssen die noch wesentlich lustiger sein!” Es existieren etliche Fotos von mir neben ihren Wachsfiguren im Madame Tussauds, Prinz Philip ist mein Inbegriff von “Antiheld” und ich besitze die offizielle DVD zur Hochzeit von William und Kate. God save the Queen!

2. “SingStar Schlager”: Die Tatsache, dass ich mir eine Playstation 2 nur für “SingStar” gekauft habe und davon acht Spiele besitze, kann wahrscheinlich schon als eigenes guilty pleasure durchgehen. Zwar kann ich ums Verrecken nicht singen, aber bei “SingStar” schlägt mich niemand. Niemals! “SingStar” habe ich drauf. Beschämenderweise ist meine Lieblingsedition des Spiels die Schlager-Version, bei “Dschingis Khan”, “An der Nordseeküste” oder “Fiesta Mexicana” kommt meine nicht vorhandene Sangeskunst erst zur vollen Entfaltung. Von Wolfgang Petry kann ich so gut wie jedes Lied mitsingen (Viele ausschweifende Familienfeiern in der Vergangenheit tragen die Schuld daran.) und wenn in den Partyzelten auf Schützenfesten “Traum von Amsterdam”, “Die Gefühle haben Schweigepflicht” oder der Pur-Partymix gespielt wird, bin ich die erste, die grölend auf der Tanzfläche steht. Zu meiner Verteidigung: Erträglich finde ich das alles auch nur mit den richtigen Leuten, auf den richtigen Veranstaltungen und mit der nötigen Grundlage.

3. Jogginghosen: Ich habe zwei Lieblingsjogginghosen: die eine ist eine dieser übergroßen, ausgeleiherten, grauen Baumwolldinger, die andere ist von Adidas, schwarz mit pseudogoldenen Streifen und dem Logo der deutschen Fußballnationalmannschaft auf dem Oberschenkel, da sie zu meinem DFB-Trainingsanzug gehört. Und ich zögere nicht, diese auch in der Öffentlichkeit zu tragen. Natürlich würde ich nicht in Jogginghose zu einer Verabredung, irgendeinem Termin oder zur Arbeit erscheinen, aber vor allem Letztgenannte trage ich hin und wieder in der Uni oder beim Einkaufen. Auch in der Schule bin ich gelegentlich in Jogginghose erschienen, nicht nur zu sechsstündigen Klausuren. Das war völlig legitim bei uns, manchmal haben wir sogar nach vorheriger Absprache inoffizielle “Gammelhosentage” veranstaltet, zu denen der ganze Kurs in ebensolchen erschien. Man sieht darin ja auch nicht zwangsläufig wie Vicky Pollard aus. Tatsächlich kombiniere ich zu Jogginghosen auch hin und wieder Rollkragenpullover und Perlenketten. Wie sagt man doch so schön? Immer locker durch die Hose atmen!

4. Fremde Tascheninhalte: Okay, das klingt, als wäre ich ein kleiner Dieb. Dem ist nicht so. Trotzdem haben fremde Tascheninhalte eine unerklärliche Faszination auf mich und ich gucke mir mit größtem Vergnügen sämtliche “What’s in my bag”-Videos auf Youtube an, die ich finden kann. Ernsthaft, ich kann Schminkgurus und ihrem Geschnacke über Make-Up nichts abgewinnen, Buchgurus finde ich meist humorlos und langweilig, trotzdem habe ich einige ihrer Kanäle in einem Ordner in meiner Lesezeichenleiste gespeichert und gönne mir auch regelmäßig mehr oder minder begeistert ihre Videos. Vor allem in der Hoffnung, eines darunter zu finden, in dem sie den Ramsch kommentieren, den sie aus ihren Handtaschen ziehen. Mich interessiert die Geschichte hinter ihren Schlüsselanhängern, aus welchem Urlaub ihr Portemonnaie stammt, welches Studentenfutter sie mit sich herumschleppen und welche Zuglektüre sie gerade dabei haben. Vor einer Weile hatte ich hier einen Artikel über meinen eigenen Tascheninhalt gepostet, aber das Foto war so grausig, dass ich ihn wieder heruntergenommen habe. Irgendwann werde ich ihn reaktivieren, mit einem besseren Bild und meinem wunderschönen Oystercard-Etui darauf.

5. “Twilight”: So, Kinder, jetzt wird es richtig beschämend. Ja, ihr habt richtig gesehen: Einzelkindchen liest und guckt kitschigen Vampirrotz. Aber nicht irgendeinen, sondern die Mutter aller kitschigen Vampirrotzen. (Verurteilt mich nicht, der Duden kennt auch keinen Plural von “Rotz”.) Mir ist durchaus bewusst, dass es literarisch nicht auf dem allerhöchsten Level verkehrt, die unterschwellige Botschaft der Geschichte grenzwertig und die Protagonistin einfach nur unfassbar nervig ist. Dennoch besitze ich alle Bücher inklusive des Spin-Offs und eines Lexikons und habe mir mit einer Freundin jeden der Filme im Kino in der Marathon-Fassung angeguckt. Ich versuche mich immer damit zu rechtfertigen, ich hätte die Bücher “schon gelesen, als sie außer mir noch niemand kannte”. Das wage ich zwar zu bezweifeln, aber tatsächlich begann ich damit lange vor dem Hype, im zarten Alter von 15 Jahren. Sogar, als ich am Erscheinungstag des zweiten Bandes einige Mitmenschen in der großen Pause zum Buchladen zerrte, hatten diese immer noch keine Ahnung, worum es bei “Twilight” überhaupt geht. Und, hach, ich mag den ersten Film. Weil ich mich im Vorhinein so sehr auf ihn gefreut hatte. Weil ich im Vorhinein schon so wahnsinnig verknallt in Carlisle Cullen war. Und ich sollte aufhören zu reden.

6. Burberry Haymarket Check: Die zweite modische Peinlichkeit, die ich hier vorstellen möchte, ist so ziemlich das genaue Gegenteil von Jogginghosen. Muss einem eine Vorliebe für Burberry an sich schon unangenehm sein? Für beigefarbene Trenchcoats oder für im obengenannten Haymarket Check gemusterte Schals? Weil die Duplikate davon mittlerweile so mainstream geworden sind? Hierbei geht es mir allerdings nicht nur um ebendieses Muster, sondern auch um alles andere, in dem ich mir manchmal wie eine versnobte Engländerin von einem Landgut vorkomme. Zwar befinden sich keine rosa Polohemden oder dunkelbraunen Segelschuhe in meinem Kleiderschrank, aber gelegentlich trage ich gerne mal Perlenketten und -ohrringe, Klamotten im Hahnentrittmuster und Oxfordschuhe, mein Bestand an Socken von Burlington kann sich auch sehen lassen. Die Reitklamotten tun ihr übriges. Eine Freundin aus der Uni sagte mir einst, sie fände mich overdressed. Wenn ich gerade keine Jogginghose trage.

7. Kinderfilme, -serien und -bücher: Der Artikel “30 Kleine Obsessionen”, den ich hier vor einer Weile gepostet habe, enthält eine Frage über meine guilty pleasures unter Serien. Dort schrieb ich von dem ganzen Kram, der auf Nickelodeon läuft und bei dem in jeder Serie die gleichen Schauspieler vertreten sind, die alle in wahnsinnig knalligen Farben erstrahlen und kleine Mädchen dazu bringen sollen, sich zu wünschen, sie wären so cool wie die Protagonistinnen. Ich spreche von Serien wie “Victorious”, “iCarly” oder “Zoey 101″, letztere ist mein Favorit. Doch meine größte Passion unter den Kinderserien ist nach wie vor “Schloss Einstein”, allerdings favorisiere ich die ersten Staffeln, vor allem die allererste Schülergeneration habe ich geliebt und sehe sie mir immer wieder gerne an, wenn sie im Fernsehen kommt. Zu den Kinderbüchern, die ich ebenfalls immer wieder gerne lese, zählen vor allem “Bille und Zottel” sowie “Die Wilden Hühner”, von denen ich auch alle Filme im Kino gesehen habe. (Wobei der dritte so mies ist, dass er meiner Meinung am besten gar nicht hätte gedreht werden sollen.) Kann man “Immenhof” als Kinderfilm deklarieren? Dann auch die ersten drei “Immenhof”-Filme. Der komplette Soundtrack dazu befindet sich in meinen iTunes. Die ganzen schnuckeligen Ponylieder.

8. Bravo Hits 26: Hier also die nächste musikalische Verfehlung, die ich euch beichten möchte. Tja, die bösen Neunziger, der böse Eurodance, die Spice Girls und die Backstreet Boys. (Obwohl ich die beiden Bands damals überhaupt nicht mochte, als ich noch im Alter der Zielgruppe war. Heute finde ich sie ganz witzig.) Die Bravo Hits 26 habe ich mit meiner damaligen besten Freundin rauf und runter gehört, nachdem sie sie von ihrem großen Bruder vermacht bekam. Vor allem die erste CD habe ich geliebt und höre sie mir, wenn ich übermäßig gute Laune habe, auch jetzt noch gerne an. Ich meine – die Vengaboys. Und Loona. Und Captain Jack. “King of my castle” und “Mambo No. 5″. Und, verdammte Scheiße, “The Rigga-Ding-Dong Song”, zu dem wir sogar eine Performance einstudiert hatten. Des Weiteren stand ich als Kind übrigens tierisch auf die Musik von Blümchen und den A-Teens, die ich mir auch immer noch gelegentlich gönne, wenn ich in sehr überschwänglicher Stimmung bin. “That is how we want it – Floorfiller! That is how we need it…”

9. “Hugo”: Nein, nicht das Gesöff. Mitnichten. Die Rede ist von Hugo, dem Troll, der kleine, knuffige, haarige Typ, dessen Spiele man erst im Fernsehen und später auch auf dem Computer spielen konnte. Hugo, der ständig seine Familie aus den Klauen der bösen Hexe befreien musste und mit seiner krächzenden Stimme andauernd mäßig witzige Sprüche riss, die einem nach einer Weile fast dazu brachten, den PC anzuzünden. Die Spiele sind nach dem so ziemlich simpelsten Jump’n'Run-Prinzip aufgebaut, das man sich vorstellen kann, aber ich liebe sie alle. Wenn ich mich nicht verzählt habe, besitze ich 13 CD-Roms, darunter befinden sich sowohl die Spiele, die damals auch im Fernsehen ausgestrahlt wurden, didaktisch aufgebaute Ausgaben und einige, die man fast schon als ausgefeilt und modern bezeichnen konnte. Die aus mehr als vier Pixeln bestanden. Genau diese funktionieren bei mir sogar noch, obwohl ich mittlerweile ein Betriebssystem habe, das damals noch gar nicht existierte. Ich freue mich.

10. Dialekte: Ich mag Dialekte. Ich finde nicht alle Dialekte schön, aber ich mag die Tatsache, anhand der Aussprache einer Person zu hören, aus welcher Region sie stammt. Außerdem klingt es irgendwie (sprachlich, nicht inhaltlich) ehrlicher als bei Leuten, die perfekt in der Standardvarietät kommunizieren – das ist mir zu steril, sofern man es so nennen kann. Ich finde, dass ein Dialekt der Aussprache mehr Charakter verleiht, deshalb freue ich mich immer, wenn ich merke, dass ich meinen Gesprächspartnern ihre Herkunft anhören kann. Auch, wenn es sich dabei um einen Dialekt handelt, der mir nicht so sehr gefällt. Und ich meine nicht das Sächsische, obwohl ich weiß, dass es in Umfragen nach der Beliebtheit von Mundarten wahrscheinlich im Minusbereich landen würde, gäbe es einen solchen. Ich finde sächsisch drollig und fühle mich manchmal wie eine Mutter, die ihr Baby beschützen muss und es gegen all die Lästerer verteidigt, deren schlechten Parodien es ausgesetzt ist. (Und das liegt bestimmt nicht nur an meinen sächsischen Genen.) Außerdem nervt mich die Tatsache, dass einige Leute am Grad der Ausprägung eines Dialekts den Intellekt der Sprecher ausmachen wollen. Ich bin mir nicht sicher, ob man Dialekte überhaupt ein guilty pleasure nennen kann, aber viele Statistiken zeigen mir, dass Mundarten nicht so wahnsinnig beliebt sind. Aber das mit dem Peinlichkeitsgrad der aufgezählten Dinge ist ja sowieso Ermessenssache.